Wandlungsfähigkeit & Recovery

Wandlungsfähigkeit entsteht nicht durch fertige Antworten, sondern durch den Umgang mit offenen Fragen ...
und die Fähigkeit, hilfreiche von belastenden Fragen zu unterscheiden.


Nicht jede Frage ist hilfreich

Gerade in depressiven Zuständen neigen wir dazu, uns in grübelnden,
selbstabwertenden oder ausweglosen Fragen zu verfangen, wie z.B.: 

  •  Warum bin ich so?
  •  Was stimmt nicht mit mir?
  •  Warum schaffe ich das nicht?


Formal sind das zwar offene Fragen, führen jedoch selten zu Wandlung, eher zu einer geistigen Verengung.


Die Qualität der Frage macht den Unterschied

Recovery-orientierte Ansätze arbeiten gezielt mit anderen Arten von Fragen, wie etwa:

  • Handlungsorientiert:
    Was ist heute ein winziger nächster Schritt?
  • Ressourcenorientiert:
    Was hat mir in ähnlichen Situationen ein bisschen geholfen?
  • Werteorientiert:
    Was ist mir – trotz allem – wichtig?
  • Entlastend:
    Was müsste ich heute nicht lösen, um etwas Luft zu bekommen?


Diese Fragen öffnen mir Handlungsspielräume, statt sie zu verschliessen.


Umgang mit Fragen bedeutet auch, sie begrenzen zu können

Ein oft unterschätzter Teil von Wandlungsfähigkeit ist nicht nur das Aushalten von offenen Fragen, sondern auch das bewusste Stoppen von destruktiven Gedankenschleifen bzw. das Weiterziehenlassen von destruktiven Gedanken
Das ist ein aktiver Prozess: Aufmerksamkeit umlenken, Gedanken benennen jedoch nicht verdrängen, den eigenen Körper einbeziehen.


Wandlungsfähigkeit verstehen ich nicht im Sinne von sich einfach verändern müssen, sondern als Fähigkeit:

flexibel auf innere Zustände zu reagieren, 

neue Perspektiven einzunehmen, 

trotz Belastung handlungsfähig zu bleiben.


Wandlungsfähigkeit bedeutet für mich nicht, keine Krisen zu erleben — sondern trotz Krisen wieder in Beziehung zum eigenen Leben treten zu können.



5. Juni 2026 / Markus Moser Burbulla / mmb